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Die Termine der von den LKV organisierten Fahrten, die im DKV-Sportprogramm veröffentlicht sind, wurden jeweils im September des Vorjahres angemeldet. Die Ausrichter müssten zu diesem Zeitpunkt hellseherische Fähigkeiten hinsichtlich des zu erwartenden Wetters haben. Haben sie aber nicht, und deshalb müssen wir halt mit Sonne, Hitze und Kälte, mit  Regen und Schnee zurechtkommen. Kanusport ist ein Natursport und findet vorrangig draußen unter freiem Himmel statt. Aber in diesem Jahr war es schon extrem. Schon bei der Anreise am Freitagnachmittag schneite es im Erzgebirge unaufhörlich, und die Temperaturen fielen immer weiter unter null Grad. Jeder Kraftfahrer war froh, endlich unfallfrei die Jugendherberge in Warmbad erreicht zu haben.

Angereist sind wildwasserbegeisterte Paddler von sechs Vereinen aus Berlin (15 Teilnehmer), aus Bünde (3), aus Magdeburg (3), aus Würzburg (1) sowie drei Einzelpaddler. Am Sonnabendmorgen nach dem Frühstück treffen sich alle im Klubraum. Die Fahrtenleiterin Anne trennt nach der kurzen Begrüßung die Skifahrer von den Paddlern, die auch bei minus 8 Grad nicht vom Paddeln lassen wollen.

Nach der Fahrzeugeinteilung und dem Umladen der Boote gibt es noch einen kurzen Treff für ein Gruppenfoto vor der Jugendherberge.

 Gruppenfoto vor der Jugendherberge Warmbad Wolkenstein

Danach fahren 10 (vernünftige) Sportfreunde in Richtung Oberwiesenthal zum Skifahren, aber dazu später.

Die Paddler fahren mit ausreichenden Fahrzeugen in Richtung Olbernhau. Auf Grund der Kühlschranktemperaturen wird die sonst übliche Strecke auf 12,8 km verkürzt, damit entfallen das Umtragen eines Wehres im Bereich des Grenzgebietes und die Befahrung des letzten Wehres kurz vor der Natzschungmündung. Einige Fahrzeuge verbleiben am Ziel mit den trockenen und warmen Sachen, somit braucht auch nicht vor dem Start noch gependelt werden. Gleich nach dem Umziehen und einer kurzen Einweisung stürzen sich nacheinander zwei Gruppen in die kalten Fluten. Die Talsperre Rauschenbach gibt heute 5,12 m3/s Wasser ab.

 

Gruppenfoto der Paddler im Schneetreiben bei -6 Grad

Auf dem ersten Streckenabschnitt bis Neuhausen ist der Fluss recht schmal, Büsche und Bäume reichen teilweise recht weit in die Fahrrinne hinein und man muss ständig auch mit umgestürzten Bäumen rechnen. Aber die Paddler haben Glück. Die schweren Stürme der vergangenen Monate haben keine Spuren hinterlassen. Bald grüßt der Kirchturm von Neuhausen, und wenn dieser in greifbare Nähe gerückt ist, folgt die Gefällstufe unter der Straßen- und Eisenbahnbrücke. Was den Paddler hier erwartet, kommt völlig überraschend. Links und rechts befinden sich  die Stützmauern zweier Eisenbahnbrücken und einer Straßenbrücke. Erst nach einer Linkskurve ist in der darauf folgenden Rechtkurve das starke Gefälle mit dem gewaltigen Schwall in Flussmitte erkennbar.

 

Unter der Brücke in Neuhausen

Um jegliche Grundberührung zu vermeiden, muss man genau in diesen Schwall hinein fahren.  Für einen kurzen Moment stürzt das Wasser bis über den Helm und wenn die Manschette am Hals nicht genügend abdichtet, läuft auch noch ein kleines Rinnsal am Körper entlang – und das heute bei minus 6 Grad.

 Detlef hat' s  fast geschafft

Aber alle meistern die rasante Abfahrt. Ohne sich lange aufzuhalten, (immer in Bewegung bleiben), wird weiter gepaddelt.

Nach Neuhausen wird der Fluss etwas ruhiger. Das kleine Wehr in Neuhausen, in Dittersbach und an der Schaffermühle wird problemlos gefahren. Nur Detlef hat auf dieser Strecke plötzlich ein kleines Problem. Die doppelte Handschuhlage verhindert einen exakten Paddelgriff und er fängt einen „Krebs“. Jeder Paddler weiß, was dann passiert, also auch hier, Detlef fällt unweigerlich dem Paddel hinterher. Plötzlich ist es 10 Grad wärmer (von -6 Grad Lufttemperatur auf +4 Grad Wassertemperatur), wie Ute sarkastisch tröstend behauptet, aber leider auch ziemlich nass. Aber Detlef steigt wieder ins Boot und hält tapfer bis zum Ziel durch.

Die außerordentlich niedrige Brücke kurz vor dem Wehr Schaffermühle kann bei diesem Wasserstand gerade noch so unterfahren werden.

 

Bloß nicht aussteigen, im Boot ist es immer noch am wärmsten. So ein Boot hat eine Fußbodenheizung, denn fließendes Wasser ist schließlich über null Grad „warm“.

Nach dem letzten Wehr heißt es nur noch paddeln, ganz selten kommt hier noch ein kleiner Schwall. Nachdem die Talstraße von der linken auf die rechte Talseite wechselt, mündet von links der Grenzbach Schweinitz. Jetzt befindet sich auf der linken Seite bis zum Ziel Tschechien.

 

Am Ziel stehen bereits Ute und Anne und ziehen die Boote mit den Paddlern etwas an Land. Danach helfen sie den Paddlern beim Ausziehen der Schwimmwesten. Heute sind nämlich die Reißverschlüsse der Schwimmwesten eingefroren.

 Leicht vereiste Schwimmweste

Nach rund zwei Stunden können alle in ihre warme und trockene Kleidung wechseln. Anne hat zur inneren Aufwärmung extra drei Thermoskannen mit heißem Tee mitgebracht, der von allen dankbar angenommen wird. Am Ende dürfen wir als Veranstalter froh sein, dass bei dieser Extremtour nichts weiter passiert ist.

 

Danach werden die am Start verbliebenen Fahrzeuge abgeholt und zum verdienten Mittagessen in unsere beliebte Gaststätte nach Hilmersdorf gefahren.

Die Nichtpaddler fahren in Richtung Oberwiesenthal und weiter zum Fichtelberg. Holger macht mit Nicole, Petra und Wolfgang einen Abstecher über einen Skiverleiher in Oberwiesenthal. Um 11 Uhr starten wir zu einer 17 km-Runde.

 

Holger, Nicole, Ralf, Dieter, Petra, Wolfgang (und der Fotograf Wolfgang)

Es hat den ganzen Freitag geschneit, so dass auf einer festen Altschneedecke etwa 10 cm frischer Pulverschnee liegt.  Zuerst schlittern wir nur talwärts in Richtung Bächelhütte. Hier muss die Straße nach Rittergrün überquert werden. Da abwärts fahren mehr Spaß macht, nehmen wir die Abfahrt nach Tellerhäuser.

 

Wolfgang

Oberhalb von Tellerhäuser führt die Loipe am Waldrand entlang Richtung Grenzübergang nach Tschechien. Nach dieser letzten rasanten Abfahrt heißt es leider wieder aufwärts steigen.

 

Über verschlungene Waldwege, zielstrebig geleitet von Holger, geht es alsbald bergwärts in Richtung Boží Dar. Nun liegt der Ort auf einer total unbewaldeten Hochebene, hier kann sich der eisige Nord-Ost-Wind richtig austoben. Tapfer stemmen wir uns gegen den Wind, der so

 

langsam das Gesicht vereisen lässt. Endlich haben wir  Boží Dar und die "Anton Günther Schänke" erreicht. Wir haben Glück und bekommen gleich einen Tisch für sieben halb erfrorene Skifahrer. Einige bestellen sich die von Holger gepriesene Knoblauchsuppe, na ja, ich hab`s überlebt. Als Hauptgericht suchen sich alle etwas aus der böhmischen Küche mit Knödeln aus und zum Nachtisch gibt’s noch einen Palatschinken. Natürlich durfte auch ein böhmisches Bier nicht fehlen. Als alle reichlich satt sind, müssen wir leider wieder in Sturm und Kälte.

 

Nicole im Schneesturm

Wieder geht es übers freie Feld und alle sind froh, als endlich der Wald erreicht ist. Auf dem kürzesten Weg stapfen wir in Richtung Grenzübergang für Skifahrer und den steilen Anstieg hinauf zum Skistadion.

Nach dem Abendbrot, einige haben sich inzwischen auch in der Sauna der Silbertherme durchgewärmt, hat Wolfgang das Video des Tages mit den Erlebnissen der Paddler und Skifahrer bereits zusammen gemixt. Detlef bekommt seinen verdienten Kenterorden und danach blüht das Paddlerlatein.

Anne bietet für den Sonntag die Paddeltour auf der Zwickauer Mulde an. Aber da es noch immer um die -7 Grad sind und man auf der Mulde reichlich nass wird, siegt die Vernunft. Dafür gibt es heute Kultur, die von den meisten dankbar angenommen wird. Wir besuchen das Schloss Wolkenstein. 10.30 Uhr beginnt eine Führung. Eine Dame erläutert uns über

 Schloss (oder Burg) Wolkenstein

eineinhalb Stunden die Geschichte des Schlosses. Ich gebe hier eine ausreichende Kurzfassung wieder.

Das Schloss liegt rund 80 Meter oberhalb der Zschopau auf einem Felsvorsprung. Ihre strategische Funktion war der Schutz einer Handelsstraße nach Böhmen und wurde im 13. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt.  Ab 1378 war Wolkenstein der Hauptsitz der Waldenburger. Nach dem Tod des letzten Waldenburgers fiel der Besitz 1473 an die Wettiner Landesherren.  Nach 1500 war sie im Besitz von Heinrich dem Frommen. Er ließ die Burg ausbauen und nutzte sie als Jagdschloss. Sein Sohn August, der spätere Kurfürst von Sachsen, baute die Anlage um 1550 als Schloss im Stil der Renaissance zum Wohnsitz um. Im Dreißigjährigen Krieg erlitt das Schloss große Schäden und verwahrloste. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Räumlichkeiten bis in die 1990er Jahre zu Wohnzwecken genutzt, 1963 entstand in einem Teil des Westflügels eine Heimatstube mit Handwerkerräumen. 

 Meterdicke Außenmauern

Das Aussehen der ursprünglichen Anlage ist nicht bekannt. Die ältesten erhaltenen Bauteile der historisch gewachsenen Anlage sind der aus dem 14. Jahrhundert stammende Wohnturm und das Küchenhaus im Nordosten des Schlosses. Beachtlich sind hierbei die mehrere Meter dicken Mauern und die schönen Holzbalkendecken.  Im 16. Jahrhundert kamen Süd- und Nordflügel mit Torhaus hinzu.  

 Heimatmuseum

Danach platzen noch 10 Sportfreunde unangemeldet Sonntagmittag um 12 im Gasthof Hilmersdorf hinein. Trotz voller Besetzung findet der Chef für uns noch einen Platz im Jagdzimmer in der ersten Etage. Es ist doch gut, wenn man seit 15 Jahren einmal im Jahr zur Stammkundschaft zählt, herzlichen Dank Familie Hartmann.

Preisfrage: Wann fällt 2019 die Schneeschmelze mit Regen zusammen mit anschließendem Sonnenschein und warmen Temperaturen? Wer es weiß, meldet sich bitte bei unserer Fahrtenleiterin.

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